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Kategorie: BK-Recht

Am Dienstag, den 18.09.2018 erschien in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung der Artikel "Nebel um Nummer 1317" der Autoren Christina Berndt und Johannes Ludwig. Auf der Internetseite veröffentlichten sie den Artikel unter der Überschrift "Teilsieg für Menschen, die der Job krank machte".

Die DGUV hat hierzu einen Kommentar auf Ihrer Internetseite veröffentlicht, in dem sie u.a. folgendes feststellt:

»Dass Krankheitsschäden nach einer Exposition mit Lösemitteln erst später auftreten können, ist demnach schon seit 2007 nicht ausgeschlossen.«
DGUV - Sept.2018

Bedenkt man nun, dass die nachweislich falsche Behauptung, dass schon ein mehrmonatiger, maximal jedoch ein bis zwei Jahren Abstand zum letzten Lösemittelkontakt, gegen Lösemittel als Ursache der Nervenschäden anzusehen sei, sich in verschiedenen Varianten und Wiederholungen wie ein roter Faden, durch die beiden Versionen des BK-Reports zur BK 1317 (Ausgabe 2 von 2007 und die aktuelle Ausgabe 3) zieht, ist diese nun offizielle Feststellung der DGUV als historisches Ereignis einzustufen.

Zig-Tausende ehemals berufsbedingt lösemittel-exponierten Menschen erlitten Nervenschäden. Aber bis zum heutigen Tage wird Ihnen die Anerkennung als Berufskrankheit mit dem Argument verwehrt, die Nervenschädigung sei erst Jahre nach der Exposition erstmals diagnostiziert worden. In den Akten der IKU finden sich eine Vielzahl derartiger ablehnender Gutachten.

So wird in einem aktuellen neurologischen Gutachten, entgegen den Einlassungen im BK- Report 1-2018, die Effektverstärkung im Alter nicht berücksichtigt und die bei der betroffenen Person vorliegenden Nervenschäden als „insgesamt nicht durch Lösemittel verursacht“ eingestuft.

In einem anderen aktuellen Verfahren argumentiert der neurologischen Zusatz-Gutachter, wegen des zeitlichen Abstandes zwischen letzter Lösemittel-Exposition und erster Diagnose (Polyneuropathie Enzephalopathie) seien die beim Kläger vorliegenden Nervenschäden nicht durch Lösemittel verursacht, also nicht berufsbedingt.

Die DGUV hat nun offiziell ausdrücklich eingeräumt, dass die Schäden auch später auftreten können:

»Dass Krankheitsschäden nach einer Exposition mit Lösemitteln erst später auftreten können, ist demnach schon seit 2007 nicht ausgeschlossen.«
DGUV - Sept.2018

Diese bereits lange bekannte und wissenschaftlich belegte Tatsache muss nun endlich von allen Gutachtern und Richtern bei der Anerkennung von Berufskrankheiten von Geschädigten mit betriebsbedingten Umgang mit Lösungsmitteln berücksichtigt werden.

Der BK-Report 2018 enthält, wie sein Vorgänger, enthält aus unserer Sicht zahlreiche Fehler und Falschdarstellungen. Diese Fehler nachzuweisen und öffentlich zu machen wird eine der nächsten Aufgaben der IKU e.V. sein.