Auch die letzte Aussage von Bürgermeister Kruck, auf eine Nachfrage des Mainecho nach dem Fund des Seveso-Dioxins, verwirrt weiter:

Kruck teilt auf Anfrage der Redaktion mit, dass der Bereich des Geländes, von dem Röders Bodenproben stammen, nicht zu der von der Stadt für ein Baugebiet gekauften Fläche gehört. Mainecho 10.11.2017

Bis dato verweigerte uns der Bürgermeister rechtswidrig den Einblick in die Unterlagen zum Grundstückskauf mit dem Hinweis auf den Datenschutz. Da in der Vergangenheit eine ganze Reihe seiner Aussagen einen bedauerlich niedrigen Wahrheitsgehalt aufwiesen oder irreführend waren, haben wir selbst dazu recherchiert.

Wir versuchen nun etwas Klarheit zu schaffen

Hier die bekannten Fakten und eine Grafik zur Orientierung.

Dioxinfund in Karlburg

Die Stadt stellte der Öffentlichkeit im Juli 2016 zwei Varianten für ein Bebauungskonzept für das ehemalige Ehrenfelsgelände vor Mainpost 22.7.2016. Die Fläche dieses Gebiets (orange gestrichtelt) beinhaltet das Grundstück mit der Flur-Nr. 599 (türkis) vollständig und Teile des Grundstücks mit der Flur-Nr. 605 (blau) - ausschließlich des Gebäudes Karolingerstr.37 (siehe Grafik )

Die dioxinhaltigen Bodenproben, sowohl der Stadt, als auch der IKU e.V. stammen vom Grundstück 605 - hier wurden die Holzschutzmittel damals verarbeitet und sickerten in den Boden.

Teile des Grundstücks 605, inklusive der Stelle mit dem Fund des Seveso-Dioxins, sind im von der Stadt vorgestellten Bebauungskonzept (in Grafik orange gestrichelt dargestellt) enthalten.

Eine Anfrage beim Vermessungsamt ergab, dass für das Grundstück 605 bislang keine Neuvermessung erfolgte - das wäre die Grundlage für eine Grundstücksteilung gewesen.

Eine Anfrage beim Grundbuchamt ergab, dass für beide Grundstücke 599 und 605 Ende September 2016 eine "Auflassung"/Vorkaufsrecht im Grundbuch eingetragen wurde.

Der Begriff "Auflassung" ist ein juristischer Begriff aus dem BGB der im Zusammenhang mit Grundstücksverkäufen eine Rolle spielt. (Siehe Infokasten )

Bezüglich des bestehenden Gebäudes mit der Hausnummer 37 erklärte Bürgermeister Dr. Kruck gegenüber der Mainpost:

Nur unter dem Fundament des Wohnhauses der Familie Ehrenfels seien noch derartige Rückstände aus unvollständiger Verbrennung verblieben, führt Kruck weiter aus. Dieses Grundstück gehört jedoch nicht der Stadt und es wäre aufwändig, unter dem Fundament zu graben. Daher bleiben diese Feststoffe, wo sie sind. Mainpost 15.4.2017

Wie wir aus dem Stadtrat erfuhren ist ist die Erschließung des Ehrenfelsgeländes allerdings über die Karolingerstraße und das Grundstück 605 vorgesehen. Dazu müsste das Gebäude aber abgerissen werden. Mit der Eintragung der "Auflassung" für das Grundstück 599 wurde im September 2016 auch ein Vorkaufsrecht für das ungeteilte Grundstück 605 - es fand keine Neuvermessung statt - eingetragen. Damit gehört das Gebäude mit der Hausnummer 37 offensichtlich doch zur Vereinbarung dazu.

BGB § 925 Auflassung

(1) Die zur Übertragung des Eigentums an einem Grundstück nach § 873 erforderliche Einigung des Veräußerers und des Erwerbers (Auflassung) muss bei gleichzeitiger Anwesenheit beider Teile vor einer zuständigen Stelle erklärt werden. Zur Entgegennahme der Auflassung ist, unbeschadet der Zuständigkeit weiterer Stellen, jeder Notar zuständig. Eine Auflassung kann auch in einem gerichtlichen Vergleich oder in einem rechtskräftig bestätigten Insolvenzplan erklärt werden.

(2) Eine Auflassung, die unter einer Bedingung oder einer Zeitbestimmung erfolgt, ist unwirksam.

Verantwortung gegenüber den nächsten Generationen

Wie weit sich die Schadstoffe verteilt haben, versickert sind oder bereits durch Erdbewegungen verteilt wurden muss noch dringend untersucht werden. Der Verbleib des abtransportierterten Sondermülls ist ebenfalls noch ungeklärt.

Dioxin baut sich praktisch nicht ab und stellt für Generationen einen Gefahr dar. Es reichert sich über die Jahre im Fettgewebe an und wird mit der Muttermilch an die Kinder weiter gegeben. Schadensbegrenzung ist das Gebot der Stunde und unserer Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen.