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Kampf für die Korrektur des gefälschten Merkblatts BK1317

Nachdem wir uns Du 200 % sicher waren, das wir beweisen können dass das Merkblatt gefälscht war, informierten wir das einzige uns 2004 bekannte Mitglied des Sachverständigenbeirats für Berufskrankheiten der Bundesregierung, den hessischen Landesgewerbearzt Professor Dr. Bolm-Audorff über unsere Feststellung der Merkblattfälschung.

Dazu übersandten wir ihm unsere Rechercheergebnisse und Beweisunterlagen.

Zeitgleich informierten wir den ehemaligen Bundesarbeitsminister Dr. Norbert Blüm über die während seiner Amtszeit, bzw. unter seiner Verantwortung vonstatten gegangen Fälschungen. Ebenso unterrichteten wir die Linken Abgeordnete Petra Pau über unsere Entdeckung und baten sie das Thema im Parlament aufzugreifen.

Des weiteren wandten wir uns 2004 an die Medien (TAZ, Tagesspiegel, WDR Monitor, Bild am Sonntag), welche die von uns vorgelegten Fälschungsbeweise als evident einstuften und über die faktisch nachgewiesene Fälschung berichteten.

Wie Medien berichten

Die TAZ und andere Printmedien stellten korrekterweise die Fälschungen in den Vordergrund ihrer Berichterstattung. Der Westdeutsche Rundfunk (Monitor) machte daraus aber etwas ganz anderes – statt die Fälschungen in den Vordergrund zu stellen, führte man ein nicht in die Fälschung involviertes Mitglied des Sachverständigenbeirats öffentlich vor, anstatt den tatsächlichen Merkblatt-Fälscher, Professor Dr. Konietzko öffentlich zu benennen und Konsequenzen für seiner Handlung zu fordern.

Im Mai 2005 wurde das ärztliche Merkblatt zur Berufskrankheit 1317, an den von uns benannten Stellen geändert, neu im Bundesarbeitsblatt veröffentlicht. Nun wurde wissenschaftlich korrekt ausgeführt, eine Progression (fortschreiten) der Nervenschäden spricht nicht gegen Lösemittel als Ursache.

Wer nun glaubte, dass er nun endlich eine Entschädigung für seinen berufsbedingt erworbenen Nervenschäden erhalten würde, irrte gewaltig.

Wo bislang das nachweislich falsche Ausschlusskriterium, bleibende Nervenschäden, angewandt wurde, behauptete nun die Berufsgenossenschaft, bzw. deren Gefährlichkeit-Gutachter, es bräuchte eine bestimmte Höhe und Dauer der Lösemittel Exposition um Nervenschäden zu verursachen.

Tatsächlich ist es so, dass eine einmalige massive Exposition gegenüber neurotoxischen Lösemittel, Holzschutzmittel oder Desinfektionsmittel ausreicht um bleibende Nervenschäden zu verursachen.

Anscheinend ist den Gutachtern der Berufsgenossenschaft das im Medizinstudium vermittelte Grundwissen; „zerstörte Nerven können sich nicht regenerieren“ im Dienste der BGen abhanden gekommen.

Wieder sind manipulierte, unwissenschaftliche, auf falschen Tatsachenbehauptungen, also letztendlich gefälschte Gutachten die Waffe mit der die Berufsgenossenschaften die Anerkennung von Berufskrankheiten verhindert werden. Den Gutachtenfälschern muss das Handwerk gelegt werden.

Freibrief für die Berufsgenossenschaften

Im Jahre 2009 melde sie sich Professor Dr. med. Michael Kentner, ein im Sinne der Berufsgenossenschaften wirkender Gutachter, mit einem, offensichtlich von der Bundesregierung im höchsten Maße beachteten Aufsatz in Sachen ärztliche Berufskrankheiten-Merkblätter zur Wort.

Er beschwerte sich über die interessenorientierte politische Einflussnahme (der Initiative kritischer Umweltgeschädigter e.V.) und behauptete allen Ernstes das alte Merkblatt wäre nicht gefälscht gewesen. Des weiteren behauptete er, es lägen nicht genug Beweise für den Zusammenhang von Benzolexposition und Non Hodgkin Lymphom vor, und der Sachverständigenbeirat würde diese neue Berufskrankheit ohne genügend Zusammenhangsbeweise einführen.

(Wer die Wahrheit nicht kennt ist laut Bertolt Brecht ein Idiot. Wer sie kennt und sie verschweigt ist ein Verbrecher. Was ist dann der, der wie Prof. Kentner die die wissenschaftlich gültige, international anerkannte Wahrheit verleugnet, und damit Tod und Leid verbreitet?)

Vollkommen unbeschwert von weltweit anerkannten wissenschaftlichen Fakten forderte er die Beendigung des bisherigen Procedere für die Einführung von Berufskrankheiten.

Begründung hierfür: die Verhinderung interessengebundener Einflussnahme auf die Neueinführung von Berufskrankheiten.

Bislang beurteilte ein mehr oder minder von den Berufsgenossenschaften unabhängiger Sachverständigenbeirat die Gesundheitsgefahren in der Arbeitswelt und empfahl im Bedarfsfall der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland die Einführung einer neuer Berufskrankheit und definierte, so der Sachverstädigenbeirat von der Bundesregierung hierfür den Auftrag erhielt die Kriterien für die Anerkennung

Stattdessen dürfen nun entsprechend dem Vorschlag des Herrn Prof. Kentner die, im Versicherungsfall zahlungspflichtigen Berufsgenossenschaften darüber entscheiden, welche Gesundheitsschäden zukünftig als Berufskrankheiten anerkannt werden und welche nicht.

Mit seiner Polemik im MedSach 4/2009 zum Thema ärztliche Merkblätter hatte er klar Position bezogen, welche uns aus vielen seiner Gutachten bereit bekannt war.
Die Berufsgenossenschaften/die chemische Hersteller-Industrie soll vor „unberechtigten Forderungen“ von nur „angeblich“ berufsbedingt geschädigten Arbeitnehmern geschützt werden.

Für einen normal denkenden Menschen ist dies absurd, aber offensichtlich teilte die Bundesarbeitsminister den Ursula von der Leyeren die Auffassung des Herrn Prof. D. Kentner, (Karlsruhe) und übergab die Verantwortung über die Neueinführung von Berufskrankheiten faktisch den, im Anerkennungsfall zahlungspflichtigen Berufsgenossenschaften.

Über Professor Kentner sollte man wissen, dass sich der komplette Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Arbeit und Umweltmedizin e.V. geschlossen von ihm distanziert hat.

Professor Kentner hat sich aus Sicht der deutschen Arbeitsmedizinern nicht etwa durch seine absolut unwissenschaftlichen Forderungen in Sachen Berufskrankheiten-Merkblätter unmöglich gemacht. Seine offen zur Schau gestellte rechtsextrem-rassistisch zu nennende Grundeinstellung brachte ihn in Ungnade.

Ein von Professor Kentner verfasstes,extrem fremdenfeindliches Vorwort des im Genter-Verlag herausgegebene arbeitsmedizinische Fachjournal (ASU 12/2015) mit dem Titel »Flüchtlingsfiasko, Sozialpolitik und Arbeitsmedizin« machte ihn für seine Standeskollegen untragbar.

Angeblich verlor er den Chefredakteussessel und die Auflage der Zeitschrift wurde komplett eingezogen. ( Anm. der Text liegt er IKU e. V. vor.

Die deutsche Gesellschaft für Arbeit und Umweltmedizin drohte nie mehr im Genter-Verlag zu veröffentlichen.

Anm.. Ich frage mich, wie die Abschiebung kranker Menschen, wie sie der Doktor der Medizin Kentner fordert, mit der ärztlichen Berufsordnung und dem hypokratischen Eid zusammenpasst.

Sowohl seine Aussagen gegenüber Opfern der chemischen Industrie, als auch gegen Ausländer lassen auf eine elitäre, menschenverachtende Grundeinstellung von Prof. Kentner schließen.

Ungeachtet dessen hat die Bundesregierung den Forderungen des Herrn Professor Dr. med. Kentner entsprochen, und die letzte Entscheidung über die Einführung neuer Berufskrankheiten in die Hände der Berufsgenossenschaften gelegt und den Sachverständigenbeirat der Bundesregierung faktisch entmachtet.

Zu sehen auf der Webseite des der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:

»Hinweis: Die Erstellung und Aktualisierung von Merkblättern durch den Ärztlichen Sachverständigenbeirat "Berufskrankheiten" ist seit 2010 eingestellt worden. Hinweise für die Berufskrankheitenanzeige werden künftig von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e. V., dem Spitzenverband der gesetzlichen Unfallversicherungsträger, erstellt und veröffentlicht.

https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Berufskrankheiten/Merkblaetter.html

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