IKU Evidenzgrad / Rezension

Prof. Dr. med. R.. Fentzel-Beyme
Beratungsstelle für ehemalige Mitarbeiter der Fa. C.H. Boehringer Sohn,
Werk Hamburg-Moorfleet

1.11.2015

Herrn Peter Röder
Geschäftsführender Vorstand der Initiative kritischer Umweltgeschädigter e.V.

Bestätigung

Herr Peter Röder ist mir seit etwa 11-12 Jahren bekannt und ich habe nur telefonisch Kontakt mit ihm gehabt, worauf themenbezogen auch der Austausch von einschlägigen Dokumenten oder Publikationsinhalten erfolgte.

Erst später erfuhr ich von seiner Aktivität als Mitbegründer und Verantwortlicher für die gemeinnützige Einrichtung "Initiative kritischer Umweltgeschädigter e.V." (IKU).

Herr Röder hat als geschäftsführender Vorstand ein „gemeinnütziges wissenschaftliches Rechercheinstitut, Fachbereich Humantoxikologie“ (NGO) als Selbsthilfevereinigung zu vertreten.

Seine Tätigkeit forderte ihn zunehmend nicht nur zu außerordentlichen Leistungen der Einarbeitung in das Gebiet toxikologischer Effekte auf den Menschen sondern, damit auch zu einer komplexen Wissensintegration verschiedener Disziplinen heraus.

Diese interdisziplinär orientierte Arbeitsweise und auf berufliche Risiken bezogene Sicht ermöglicht ihm gegenwärtig, in sachlichen Gedankenaustausch mit Fachvertretern auf der Ebene ebenbürtiger Stellungnahmen und in wechselseitigen Gedankenaustausch über ungelöste bzw. kontroverse Zusammenhangsfragen zu treten.

Verschiedentlich waren solche Austausche fruchtbar und für beide Seiten weiterführend in der Verfolgung der Interessen beruflich geschädigter Personen.

Prof. Dr. med. habil. R. Frentzel-Beyme, MHS (Baltimore)

Univ.-Prof. em. Dr. med. Hans-Joachim Woitowitz zur IKU e.V.

Betreff: Gemeinnützigkeit des eingetragenen Vereins
"Initiative kritischer Umweltgeschädigter (IKU e.V.)
"

Die Initiative kritischer umweltgefährdet Geschädigter ist mir seit Jahren insbesondere durch die Person und den Sachverstand seines Sprechers, Herrn Peter Röder bekannt.

Ausgangspunkt waren Unstimmigkeiten, die der vom hier Unterzeichnenden langjährig geleitete Ärztliche Sachverständigenbeirat Berufskrankheiten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, Bonn/Berlin , redaktionell nicht vermeiden konnte. Sie gelangten unkontrolliert - und daher erst verspätet erkannt - zu Lasten der betroffenen Patienten zunächst in das Amtliche Merkblatt der Berufskrankheit "Polyneuropathie oder Enzephalopathie durch organische Lösungsmittel oder deren Gemische" (Nr. 1317 Anl. 1 der Berufskrankheitenverordnung).

Dieser Sachverhalt wurde frühzeitig auch von Herrn Röder erkannt. Eine solche Tatsache belegt die dann auch in den Folgejahren erkennbare besondere Intensität, Sorgfalt und Mühewaltung der Repräsentanz der IKU e. V. beim Eindringen in die Fachwelt internationaler wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Es handelt sich dabei um schwierigste Fragen der Kausalzusammenhänge. Sie bestehen für Belastungen einer großen Anzahl von Menschen infolge des Eintrags insbesondere von Chemikalien, aber auch von ionisierender Strahlung, Schwermetallen etc. insbesondere in die moderne Arbeitswelt, aber darüber hinaus teilweise auch in die allgemeine Umwelt.

Sehr beachtenswert ist bei den IKU-Recherchen der große Einsatz trotz der begrenzten Mittel im Rahmen der durch "Waffenungleichheit" gekennzeichneten sozialrechtlichen Auseinandersetzungen betroffener Patienten und Patientinnen.

Mit dem inzwischen erarbeiteten, sehr förderwürdigen Faktenwissen und tieferen Verständnis wird versucht, die Feststellungen der Experten der zuständigen Arbeitgeberhaftpflichtversicherungen (DGUV) evidenzbasiert auf den jeweils erforderlichen Individualbezug abzustellen. Einschlägige Erkenntnisse konnten daher dann z. T. auch öffentlichkeitswirksam weitergegeben werden.

In zahlreichen Erkrankungsfällen und Einzelschicksalen hat sich dieser Aufwand an Zeit und Energie offenbar bewährt. Selbst für Auseinandersetzungen vor den verschiedensten Sozialgerichtsinstanzen wurden sachlich verwertbare Informationen anhand einschlägig recherchierter wissenschaftlicher Dokumente und Datenbanken bereitgestellt.

Die IKU hat somit seit Jahren die gesellschaftliche Notwendigkeit erkannt, betroffenen Patienten und Patientinnen sachdienliche Hilfestellung in Streitfragen insbesondere hinsichtlich der arbeitsbedingten Verursachung ihrer z. T. schwerwiegenden und kausal keinesfalls leicht zuzuordnenden Gesundheitsschäden zu gewähren.

Auch das öffentlich-mediale Bewusstsein wurde dadurch geschärft. Der Verein trägt somit dazu bei, die oftmals schwierigen Ursache-Wirkungsbeziehungen der insbesondere durch chemische Arbeitsstoffe verursachten individuellen Gesundheitsschäden aufzuhellen.

In den sozialrechtlichen Auseinandersetzungen erhalten die gefährdeten Bürger und Bürgerinnen unseres Landes damit notwendigen fallbezogenen Beistand unter Zuhilfenahme des Internationalen Expertenwissens.

Aus meiner Sicht dient insofern die IKU e. V. sowohl dem nationalen wie auch dem europäischen Anliegen, die Patientenrechte nicht nur auf körperliche Unversehrtheit sondern auch auf rechtliches Gehör zu verwirklichen.

Gleiches gilt damit für die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens.

Gießen, den 9. April 2013

 Univ.-Prof. emer. Dr. med. Hans-Joachim Woitowitz

Arzt für Arbeitsmedizin,
Arzt für Innere Medizin,
Sozialmedizin, Umweltmedizin


zur Person:

Autor von mehr als 500 Publikationen

Ehrungen:

  • Paracelsus-Preisträger (höchster deutscher Medizinpreis)
  • Bundesverdienstkreuz erster Klasse
  • Bundesverdienstkreuz am Bande
  • (uvm)

 vormalige Ämter

  • Professor für Arbeitsmedizin, später Professor für Arbeits- und Sozialmedizin im Zentrum für Ökologie des Klinikums der Justus-Liebig-Universität Gießen, Leitung des Instituts und der Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin (1974-2004)
  • Vorstand des Ramazzini Institute for Occupational and Environmental Health Research in Solomons, Washington, USA
  • Fellow des Collegium Ramazzini, New York/Bologna
  • Leiter der Arbeitsgruppe „Festlegung von Grenzwerten für Stäube“ der Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe
  • Vorsitzender der Sektion „Berufskrankheiten“ des Ärztlichen Sachverständigenbeirates beim Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung
  • Vorsitzender des Sachverständigenkreises „Prävention im Arbeits- und betrieblichen Gesundheitsschutz“ beim Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie
  • Leiter der Arbeitsgruppe „Festlegung von Grenzwerten für Stäube“ der Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe
  • Vorsitzender des Sachverständigenkreises „Prävention im Arbeits- und betrieblichen Gesundheitsschutz“ am Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie
  • Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin
  • Vorsitzender des interministeriellen Beirats der Zentralen Betreuungsstelle Wismut beim Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften

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Stellungnahme von Univ.-Prof. (Emeritus) Dr. Otmar Wassermann

Univ.-Prof. (Emeritus) Dr. Otmar Wassermann
1975 - 2000 Direktor des früheren Institutes für Toxikologie,
Klinikum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Stellungnahme für Herrn Peter R ö d e r
Leiter der wissenschaftlichen Recherche und
Geschäftsführender Vorstand
der Initiative kritischer Umweltgeschädigter (IKU)

 Zu meinen langjährigen beruflichen Erfahrungen im Zusammenhang mit dieser Stellung-nahme verweise ich auf meine frühere Stellungnahme für Herrn Peter R ö d e r vom 03.09.2009.

 Im Laufe der 3 Jahre seit meiner Stellungnahme vom 03.09.2009 hat Herr R ö d e r seine schon damals gewürdigte Fähigkeit, komplizierte medizinische, pathophysiolo-gische wie toxikologische Zusammenhänge zwischen chemischer Schädigung und berufsbedingten Erkrankungen zu erkennen - und in allgemein verständlicher Sprache korrekt zu bewerten -, weiter gesteigert.

Im Rahmen von zahlreichen Stellungnahmen für Betroffene, hat er seitdem sein umfangreiches Literaturarchiv durch intensive Recherchen in wissenschaftlichen Daten-banken (Medizin, Arbeitsmedizin,Toxikologie, Chemie) wesentlich erweitert.

Dabei hat er auch seine Erfahrungen in der Bewertung von Veröffentlichungen und von Gutach-ten der von Berufsgenossenschaften (BGen) für Sozialgerichtsverfahren bevorzugten Gutachter, leider überwiegend Falsch- und Fließbandgutachter, erweitert.

Ausführliche Darstellungen hierzu siehe unten "wer tiefer einsteigen will".

Die kompetente Nutzung der hieraus bezogenen Erkenntnisse haben die Aussagekraft seiner eigenen humantoxikologischen Recherchen und Bewertungen weiter verbessert.

Jedes von Industrie und Politik unabhängig arbeitende wissenschaftliche Institut, das sich auf den genannten Gebieten um seriöse Publikationen bemüht, könnte durch die von Herrn R ö d e r inzwischen erreichte Leistungsfähigkeit im Recherchieren und Validieren aktueller arbeitsmedizinisch-toxikologischer Probleme bereichert werden.

So ist es Herrn R ö d e r durch seine akribische Bearbeitung einer Fragestellung oder eines von Gerichtsgutachtern bereits bewerteten Falles wiederholt gelungen, z. B. auch Lehrstuhlinhabern der Arbeitsmedizin schwere Fehler, d. h. Nichtberücksichtigung kritischer und damit für den Gutachtenauftrag "unbrauchbarer" wissenschaftlicher Veröffentlichungen bis hin zu Falschaussagen - in ihren Gutachten nachzuweisen, die - ganz im Sinne der auftraggebenden BGen - vor Gericht wegen unzureichender Information der Richter/innen stets zur Ablehnung von Klagen der Betroffenen führten bzw. führen sollten.

Jeder Rechtsanwalt, der sich ernsthaft für die Interessen seiner am Arbeitsplatz gesundheitlich geschädigten Mandanten einsetzen will, und jedes Sozialgericht, dem an Wahrheitsfindung und gerechter Rechtsprechung gelegen ist, wäre gut beraten, die gewissenhaft und sorgfältig nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft recherchierten und ausgearbeiteten Stellungnahmen von Herrn R ö d e r als wertvollen Beitrag zu ihren Entscheidungen zu betrachten.

Die buchstäbliche Not-wendigkeit qualifizierter humantoxikologischer Stellungnahmen durch unabhängige Verfasser liegt auf der Hand: Die ohnehin gering gewesene Zahl integrer und wissenschaftlich seriös als Sachverständige arbeitender, d. h. von Industrie und Politik unabhängiger Wissenschaftler/innen ist inzwischen weiter zurück-gegangen.

Sie wird auch dadurch unterstrichen, dass sogar der bisherige "Sachverständigen-beirat" der Bundesregierung faktisch entmachtet wurde. Der Sachverständigenbeirat der Bundesregierung kann – da er keine neuen ärztlichen Merkblätter zu Erkennung von Berufskrankheiten mehr veröffentlicht - seinen gesetz-lichen Auftrag gem. SGB VII § 9 Abs. 1 nicht mehr erfüllen.

Der Sachverständigenbeirat gab in der Vergangenheit allerdings häufig Anlaß zu Kritik: zu langsam, zu wenig kritisch, nicht ausreichend über die vorhandene Literatur informiert bzw. diese berücksichtigt.

Der politische Beschluß, jetzt die Entscheidung über die Anerkennung von Berufskrankheiten den BGen zu überlassen, kann nur noch als ungeheuerlicher Skandal bezeichnet werden. Hier "den Bock zum Gärtner" gemacht zu haben, ist ein viel zu harmloser Vergleich.

Wichtiger denn je ist daher die nachweislich erfolgreiche Recherche- und Bewertungs-tätigkeit von Herrn Peter R ö d e r als Leiter der wissenschaftlichen Recherche und Vorstand der Initiative kritischer Umweltgeschädigter (IKU). Sie muß wegen ihres unabhängigen Urteils und ihrer qualifizierten Arbeit als "humantoxikologisches Gegen-gewicht" zu den völlig unzureichenden "Diagnoseempfehlungen" der BGen gewertet werden.

Mir ist neben der IKU keine Institution bekannt, die Hilfesuchende innerhalb so kurzer Zeit den aktuell verfügbaren Wissensstand über die toxischen Wirkungen chemischer Stoffe bzw. Stoffgemische gerichtsfest vermitteln könnte, wie es nach meinen jahre-langen positiven Erfahrungen die IKU für die Betroffenen geleistet hat.

Schönkirchen/Kiel, 19.07.2012

Univ.-Prof. (em.) Dr. Otmar Wassermann


 *) Wer etwas tiefer in das Milieu der Berufsgenossenschaften (BGen) einblicken und die klagenden Geschädigten gerecht behandeln möchte - und das gilt besonders Rechtsanwälte/innen und Richter/innen -, wird im Taschenbuch "Käufliche Wissenschaft" (Antje Bultmann, Friedemann Schmithals, Hrsg., Knaur Verlag, München, 1994) fündig werden, und zwar u. a. im Kapitel IV "Richter ohne Robe":

  • S. 307 - 312 ("Die finanziellen Risiken gehen weit über den Einzelfall hinaus") berichtet der - leider viel zu früh verstorbene - aufrechte Arbeits- und Sozialmediziner Friedemann R o h l e d e r aus seinen bitteren Erfahrungen mit BGen und ihren "Gutachtern";

  • S. 313 - 329 ("Die Betrugsgenossenschaft") beschreibt der Ludwigshafener Rechts-anwalt Hans-Joachim D o h m e i e r seine Erfahrungen mit dem gemeingefährlichen Filz aus BGen und ihren Gefälligkeitsgutachtern, den er in zahllosen Gerichtsprozessen als Anwalt der Geschädigten erleben mußte;

  • S. 330 - 350 ("Die Gutachter sind unter uns. Über die Rolle von Gutachtern vor Gericht") legt der ehemalige Richter Prof. Albrecht G r u n d e i ein beklemmendes Bekenntnis über die unheimliche Rolle, ja ungeheuerliche Macht mancher "Gutachter" bei Gericht ab;

  • S. 351 - 373 ("Wer uns sehr genehm, wer uns genehm und wer uns unangenehm wäre" - Gutachter zu Holzschutzmitteln) gibt Herbert S t e l z einen tiefen Einblick in das Sumpfgebiet, in dem industrielle Auftraggeber - hier die Chemische Industrie - und die von ihnen regelmäßig und großzügig gepflegten Hofgutachter (namentlich genannt, wie es sich gehört) gemeinsam gediehen, sehr zum Schaden der von den hochgefähr-lichen Chemieprodukten gesundheitlich schwer geschädigten "Verbraucher" und zur eigenen Gewissensbefragung derjenigen Richter/innen, die solchen "Gutachtern" ungeprüft Glauben schenkten;

  • S. 374 - 393 ("ROOTS oder: Veränderungen beginnen in den Köpfen") geht der wackere, unbeugsame ehemalige Staatsanwalt des großen Holzschutzmittel-Prozesses in Frankfurt/Main, Erich S c h ö n d o r f , der Frage nach, "wie die Öffentlichkeit vor Sachverständigen der beschriebenen Art geschützt werden kann".

 Dieser Beitrag ist ebenso wie sein Taschenbuch "Von Menschen und Ratten - über das Scheitern der Justiz im Holzschutzmittel-Skandal" (Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 1998) nicht nur für die betroffene Öffentlichkeit, sondern gerade für Jurist/inn/en als Rechtsanwälte und Richter die Pflichtlektüre schlechthin.

 Da das Buch "Käufliche Wissenschaft" inzwischen längst vergriffen ist und eventuell nur noch antiquarisch gefunden wird, können ernsthaft Interessierten Kopien zugänglich gemacht werden.

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Stellungnahme von Prof. Wassermann (2009)

Univ.-Prof. (Emeritus) Dr. Otmar Wassermann
ehemaliger Direktor des Institutes für Toxikologie,
Klinikum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Stellungnahme für Herrn Peter Röder
 

1) Zu meinen beruflichen Erfahrungen im Zusammenhang mit dieser Stellungnahme:

Von 1975 bis 2000 war ich Direktor des Institutes für Toxikologie im Klinikum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (GAU). Die von unseren Arbeitsgruppen erforschten Schwerpunktthemen sind in den Forschungsberichten der GAU regelmäßig ausführlich dokumentiert.

Anfang der 1980er Jahre erfuhren wir von schweren Gesundheitsstörungen bei Tausenden von Menschen alleine in der damaligen Bundesrepublik, die einen Zusammenhang zwischen der Exposition gegen Holzschutzmittel (HSM) – damals Mischungen aus hochtoxischen Wirkstoffen, deren herstellungsbedingten Verunreinigungen und diversen, ihrerseits toxischen Lösemitteln (LM) – dringend nahelegten.

Derartige Gesundheitsschäden wurden uns sowohl aus dem Bereich Holzverarbeitender Betriebe als auch von unzähligen Privatpersonen bekannt, die HSM in ihren Wohnungen im Vertrauen auf die ausdrückliche Empfehlung der Hersteller eingesetzt hatten.

Als Industrie-unabhängiger Lehrstuhlinhaber für Toxikologie habe ich in dieser Zeit in wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Gutachten (u. a. für die Staatsanwaltschaft Frankfurt/M. im Rahmen des bekannten "Holzschutzmittel-Prozesses"), Zeitungs- und Fernsehinterviews häufig auf diese Problematik aufmerksam gemacht.

In deren Folge wurden einige meiner Mitarbeiter und ich bundesweit von Sozialgerichten gutachterlich in vielen Fällen beauftragt, in denen gesundheitlich am Arbeitsplatz Geschädigte die Verursacher verklagten.

So erfuhren wir einerseits vom hohen Leidensdruck vieler Betroffener, andererseits - häufig als Obergutachter - von der fachlich oft miserablen "Qualität" der von den Berufsgenossen-schaften als bewährte "Ablehner" bevorzugten Fließbandgutachter - Arbeitsmediziner, Toxikologen und zahlreiche wenig qualifizierte Mediziner.

Auch sammelten wir in diesem Bereich leider nicht selten bittere Erfahrungen mit manchem Sozialgericht, welches trotz unseres einwandfreien Nachweises der wissenschaftlichen Fehlerhaftigkeit bzw. sogar der Fälschung von Gutachten zu Gunsten der Auftraggeber und zum z. T. Existenz-vernichtenden Nachteil der Betroffenen die Klage der Betroffenen ablehnte.

Einen kleinen Teil dieser für einen unabhängigen Wissenschaftler unerträglichen Erfahrungen veröffentlichte ich in meinem Beitrag "Fälschung und Korruption in der Wissenschaft" im Buch "Käufliche Wissenschaft", Knaur, München 1994, selbstverständlich unter Nennung einiger Namen derartiger "Kollegen".

2.) zu Herrn Peter Röder

Im Zusammenhang mit dem oben kurz skizzierten Hintergrund erfuhr ich 1998 von den schweren, zur Berufsunfähigkeit führenden Gesundheitsschäden, die Herr Peter Röder an seinem Arbeitsplatz als Tischler durch Einwirkung LM-haltiger Holzbehandlungsmittel erlitten hatte.

Auf seine hilfesuchende Anfrage teilte ich ihm meine fachlichen Kenntnisse über die erheblichen Gesundheitsrisiken beim Umgang mit den komplexen chemischen Gemischen HSM/LM selbstverständlich mit.

Motiviert durch die eigene gesundheitliche Betroffenheit und anhaltend frustriert durch oben beschriebenes Verhalten von Berufsgenossenschaften, Gefälligkeitsgutachtern und Gerichten bei seinen zahlreichen Sozialgerichtsterminen, entwickelte Herr R öder innerhalb weniger Jahre eine erstaunliche Fähigkeit, komplizierte medizinische pathophysiologische wie toxikologische - Zusammenhänge zwischen chemischer Schädigung und gesundheitlicher Auswirkung zu erkennen, wie sie - wegen ihrer in diesem Bereich allgemein oberflächlichen und industriefreundlichen Ausbildung – leider nur wenigen Ärzten eigen ist.

Ebenso rasch eignete er sich die erforderlichen Spezialkenntnisse für Recherchen in internationalen wissenschaftlichen Datenbanken (Medizin, Arbeitsmedizin, Toxikologie, Chemie) an und sammelte dadurch aus der Weltliteratur ein umfangreiches Archiv an Spezialliteratur über diese Thematik.

Ausgerüstet mit diesem stattlichen Fundus an Literaturkenntnis widerlegte er in zahlreichen Fällen gutachterliche Falschaussagen, indem er nachwies, dass deren Autoren kritische Veröffentlichungen, welche die Klage der Betroffenen ohne Zweifel berechtigt erscheinen ließen, in ihren "Expertisen" weggelassen bzw. inhaltlich falsch zitierten.

Auf diesem langen, äußerst mühseligen Weg verzeichnete Herr R öde r dennoch beachtliche Erfolge. U. a. wies er nach, dass das Berufskrankheiten-Merkblatt BK 1317 (Neurotoxizität von LM), welches als Richtlinie zur gutachterlichen Beurteilung allgemein (d. h. in zahllosen Fällen) diente, von den verantwortlichen "Sachverständigen" - wie oben beschrieben - gefälscht war.

Herrn Röders enormem, wissenschaftlich korrektem und unermüdlichem Einsatz ist es zu danken, daß dieses Merkblatt BK 1317 revidiert wurde.

Eine solche Leistung hat meines Wissens bisher beschämenderweise kein Lehrstuhlinhaber für Arbeitsmedizin oder für Toxikologie in Deutschland erbracht, teils aus Desinteresse, teils weil dadurch ihre eigenen lukrativen Dauergeschäfte mit den Berufsgenossenschaften gestört worden wären.

Herr Röder gründete die "Initiative kritischer Umweltgeschädigter,“ Eußenheim-Bühler, IKU e.V., deren Vorsitzender er ist, um sein umfangreiches Fachwissen auch anderen Geschädigten gerichtsfest verfügbar zu machen.

Er versuchte die Öffentlichkeit aufzuklären, dass die sog. REACH-Verordnung (EG Verordnung Nr. 1907/2006 - offensichtlich von der Chemischen Industrie diktiert – nach der künftig hochtoxische, u. a. krebserregende Chemikalien als "gering gefährlich" einzustufen sind!) ein gemeingefährliches politisches Machwerk darstellt.

Herr Röder gab einen Aufruf zur strafrechtlichen Verfolgung notorischer und nur profitorientierter Gefälligkeitsgutachter und Fälscher heraus und stellte selbst Strafanzeige gegen einige von ihnen wegen Prozessbetrugs.

Erfreulicherweise fand Herr Röder immer wieder fachliche Unterstützung durch einige Menschen aus Wissenschaft, Justiz, Politik und in den Medien, deren Gewissen nicht durch Profitgier und Opportunismus abgetötet ist.

Wenn in dieser, unserer Gesellschaft ein Mensch sich kritisch über eklatante Missstände äußert, aus denen interessierte Kreise enormen Profit schlagen, so wird dieser wegen des Fehlens überzeugender Sachargumente vehement diffamiert, denn - wie Kurt Tucholsky schon 1929 urteilte - "es gilt doch in diesem Lande derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist als derjenige, der ihn macht".

Diese versuchte "Zersetzung" von Kritikern hat in der deutschen Geschichte - Ost wie West - eine lange, düstere und zu tiefst beschämende Tradition:

"Wenn wir einen loswerden wollen·, so soll Gaudozentenführer Willing einmal in schöner Offenheit erläutert haben, "so bewerfen wir ihn zunächst einmal tüchtig mit Schmutz, so dass er Jahre braucht, sich reinzuwaschen; inzwischen haben wir Zeit, alles nach Wunsch zuordnen."  *) H. Heber, 1966, S. 821. Aus: Naturwissenschaft, Technik und NS-Ideologie, H. Mertens, S. Richter, Hrsg., Suhrkamp tb Wissenschaft 303, 1980, S. 50

 Daran erinnere ich nur deshalb so ausdrücklich, damit auch die zu unabhängigen und gewissenhaftem Urteilen verpflichteten Richter/innen den mir bekannten Diffamierungsversuchen von Gefälligkeitsgutachtern gegen Herrn Röder - und auch in anderen vergleichbaren Fällen - künftig angemessen begegnen.

Schönkirchen / Kiel, 03.09.2009

 Prof. Dr. Otmar Wassermann