Stellungnahme von Univ.-Prof. (Emeritus) Dr. Otmar Wassermann

Univ.-Prof. (Emeritus) Dr. Otmar Wassermann
1975 - 2000 Direktor des früheren Institutes für Toxikologie,
Klinikum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Stellungnahme für Herrn Peter R ö d e r
Leiter der wissenschaftlichen Recherche und
Geschäftsführender Vorstand
der Initiative kritischer Umweltgeschädigter (IKU)

 Zu meinen langjährigen beruflichen Erfahrungen im Zusammenhang mit dieser Stellung-nahme verweise ich auf meine frühere Stellungnahme für Herrn Peter R ö d e r vom 03.09.2009.

 Im Laufe der 3 Jahre seit meiner Stellungnahme vom 03.09.2009 hat Herr R ö d e r seine schon damals gewürdigte Fähigkeit, komplizierte medizinische, pathophysiolo-gische wie toxikologische Zusammenhänge zwischen chemischer Schädigung und berufsbedingten Erkrankungen zu erkennen - und in allgemein verständlicher Sprache korrekt zu bewerten -, weiter gesteigert.

Im Rahmen von zahlreichen Stellungnahmen für Betroffene, hat er seitdem sein umfangreiches Literaturarchiv durch intensive Recherchen in wissenschaftlichen Daten-banken (Medizin, Arbeitsmedizin,Toxikologie, Chemie) wesentlich erweitert.

Dabei hat er auch seine Erfahrungen in der Bewertung von Veröffentlichungen und von Gutach-ten der von Berufsgenossenschaften (BGen) für Sozialgerichtsverfahren bevorzugten Gutachter, leider überwiegend Falsch- und Fließbandgutachter, erweitert.

Ausführliche Darstellungen hierzu siehe unten "wer tiefer einsteigen will".

Die kompetente Nutzung der hieraus bezogenen Erkenntnisse haben die Aussagekraft seiner eigenen humantoxikologischen Recherchen und Bewertungen weiter verbessert.

Jedes von Industrie und Politik unabhängig arbeitende wissenschaftliche Institut, das sich auf den genannten Gebieten um seriöse Publikationen bemüht, könnte durch die von Herrn R ö d e r inzwischen erreichte Leistungsfähigkeit im Recherchieren und Validieren aktueller arbeitsmedizinisch-toxikologischer Probleme bereichert werden.

So ist es Herrn R ö d e r durch seine akribische Bearbeitung einer Fragestellung oder eines von Gerichtsgutachtern bereits bewerteten Falles wiederholt gelungen, z. B. auch Lehrstuhlinhabern der Arbeitsmedizin schwere Fehler, d. h. Nichtberücksichtigung kritischer und damit für den Gutachtenauftrag "unbrauchbarer" wissenschaftlicher Veröffentlichungen bis hin zu Falschaussagen - in ihren Gutachten nachzuweisen, die - ganz im Sinne der auftraggebenden BGen - vor Gericht wegen unzureichender Information der Richter/innen stets zur Ablehnung von Klagen der Betroffenen führten bzw. führen sollten.

Jeder Rechtsanwalt, der sich ernsthaft für die Interessen seiner am Arbeitsplatz gesundheitlich geschädigten Mandanten einsetzen will, und jedes Sozialgericht, dem an Wahrheitsfindung und gerechter Rechtsprechung gelegen ist, wäre gut beraten, die gewissenhaft und sorgfältig nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft recherchierten und ausgearbeiteten Stellungnahmen von Herrn R ö d e r als wertvollen Beitrag zu ihren Entscheidungen zu betrachten.

Die buchstäbliche Not-wendigkeit qualifizierter humantoxikologischer Stellungnahmen durch unabhängige Verfasser liegt auf der Hand: Die ohnehin gering gewesene Zahl integrer und wissenschaftlich seriös als Sachverständige arbeitender, d. h. von Industrie und Politik unabhängiger Wissenschaftler/innen ist inzwischen weiter zurück-gegangen.

Sie wird auch dadurch unterstrichen, dass sogar der bisherige "Sachverständigen-beirat" der Bundesregierung faktisch entmachtet wurde. Der Sachverständigenbeirat der Bundesregierung kann – da er keine neuen ärztlichen Merkblätter zu Erkennung von Berufskrankheiten mehr veröffentlicht - seinen gesetz-lichen Auftrag gem. SGB VII § 9 Abs. 1 nicht mehr erfüllen.

Der Sachverständigenbeirat gab in der Vergangenheit allerdings häufig Anlaß zu Kritik: zu langsam, zu wenig kritisch, nicht ausreichend über die vorhandene Literatur informiert bzw. diese berücksichtigt.

Der politische Beschluß, jetzt die Entscheidung über die Anerkennung von Berufskrankheiten den BGen zu überlassen, kann nur noch als ungeheuerlicher Skandal bezeichnet werden. Hier "den Bock zum Gärtner" gemacht zu haben, ist ein viel zu harmloser Vergleich.

Wichtiger denn je ist daher die nachweislich erfolgreiche Recherche- und Bewertungs-tätigkeit von Herrn Peter R ö d e r als Leiter der wissenschaftlichen Recherche und Vorstand der Initiative kritischer Umweltgeschädigter (IKU). Sie muß wegen ihres unabhängigen Urteils und ihrer qualifizierten Arbeit als "humantoxikologisches Gegen-gewicht" zu den völlig unzureichenden "Diagnoseempfehlungen" der BGen gewertet werden.

Mir ist neben der IKU keine Institution bekannt, die Hilfesuchende innerhalb so kurzer Zeit den aktuell verfügbaren Wissensstand über die toxischen Wirkungen chemischer Stoffe bzw. Stoffgemische gerichtsfest vermitteln könnte, wie es nach meinen jahre-langen positiven Erfahrungen die IKU für die Betroffenen geleistet hat.

Schönkirchen/Kiel, 19.07.2012

Univ.-Prof. (em.) Dr. Otmar Wassermann